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Ehrgeiz im Hundetraining – Problem oder Schlüssel zum Erfolg?

  • vor 3 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Ehrgeiz im Hundetraining hat keinen besonders guten Ruf. Viele verbinden damit Druck, zu hohe Erwartungen und einen unfairen Umgang mit dem Hund.

Und ja – das gibt es. Gar nicht so selten sogar.

Aber ist Ehrgeiz wirklich das Problem?

Ich denke nein.


Ehrgeiz ist nicht das Problem – sondern seine Richtung

In einer meiner letzten Stunden sagte eine Kundin zu mir, dass sie gerne den Rally Obedience-Kurs machen würde – aber "just for fun" und auf jeden Fall bewusst ohne Turnierambitionen.

Der Grund: Sie kennt sich selbst als ehrgeizigen Menschen und hat Sorge, dass sie dadurch Druck auf ihren Hund ausüben könnte.

Diese Selbstreflexion finde ich sehr wertvoll.

Allerdings zeigt sich hier auch ein Missverständnis, das mir im Training immer wieder begegnet: Dass „Spaß haben“ und „ehrgeizig sein“ Gegensätze seien.

Dass man sich entscheiden muss - entweder man arbeitet entspannt mit dem Hund, oder man traininiert sehr ambitioniert und läuft Turniere.

Für mich gehört das aber zusammen. Und zwar sowohl im Hundesport als auch im ganz normalen Alltagstraining für den Familienhund.


Was den Hundesport angeht: Seien wir ehrlich - Hundesport ist immer „just for fun“. Für uns Menschen.

Der Hund hat sich das nicht ausgesucht. Wir machen Sport mit dem Hund, weil wir uns das als Hobby ausgesucht haben.

Und genau deshalb tragen wir die Verantwortung, das Training so zu gestalten, dass es auch für unseren Hund Sinn macht – und Freude.


Zwei Arten von Ehrgeiz

Was ich in meinem Trainingsalltag oft sehe: Ehrgeiz ist nicht gleich Ehrgeiz.

Es gibt eine Form, die problematisch ist –und eine, die ich mir von viel mehr Hundehaltern wünschen würde.


Der ergebnisorientierte Ehrgeiz:

  • Der Hund soll funktionieren.

  • Signale sollen „sitzen“.

  • Das Ergebnis muss stimmen.

  • Der Blick geht nach außen: auf andere Menschen, auf Bewertungen, auf Leistung

Hier wird der Hund schnell zum Mittel zum Zweck.


Der prozessorientierte Ehrgeiz:

  • Wie kann ich meinem Hund das Lernen leichter machen?

  • Wie muss ich Training gestalten, damit er es versteht?

  • Wie schaffe ich Motivation und Freude?

Hier liegt der Fokus auf Verständnis, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Und genau dieser Ehrgeiz ist es, den ich in wirklich guten Teams sehe.


Was erfolgreiche Teams anders machen

Die Hundehalter bzw. Hundesportler, die im Training und auch auf Turnieren wirklich überzeugen, sind durchaus sehr ehrgeizig.

Aber ihr Ehrgeiz richtet sich nicht auf Punkte oder Platzierungen. Oder darauf, andere zu beeindrucken, wie toll ihr Hund "hört" oder "was er alles kann".

Sondern darauf, immer besser zu werden im Umgang mit ihrem Hund. Feiner zu werden in ihrer Kommunikation. Klarer zu werden im Training.


Oder anders gesagt:

Der Ehrgeiz steckt im Training – nicht im Ergebnis.

Und genau deshalb kommt das Ergebnis oft ganz von allein.


Das eigentliche Problem: fehlende Reflexion

Die meisten Hundehalter haben einen gewissen Ehrgeiz - auch im normalen Alltag mit Hund, fernab von Sport und Turnieren. Sie haben ehrgeizige Ziele für das Verhalten ihres Hundes – stellen sich aber kaum die Frage, worauf sich dieser Ehrgeiz eigentlich richtet.


Es wird viel trainiert. Viel verlangt. Viel erwartet.


Aber selten hinterfragt.

  • Warum ist mir das gerade wichtig?

  • Braucht mein Hund das wirklich?

  • Passt das zu unserem Alltag?

  • Versteht mein Hund überhaupt, was ich von ihm möchte?


Stattdessen stehen oft Dinge im Vordergrund wie:

  • „Der Hund muss Sitz und Platz können.“

  • „Der Rückruf muss funktionieren.“

  • „Der Hund soll hören.“

Ohne wirklich zu hinterfragen, was dahinter steckt.


Nicht alles, was man trainieren kann, muss man trainieren.

Natürlich dürfen und sollen Hunde Dinge lernen. Darum geht es nicht.

Aber gutes Training beginnt nicht mit der Frage: Was soll mein Hund können?

Sondern mit der Frage: Was ist für diesen Hund, in diesem Leben, wirklich sinnvoll?

Und dann: Wie bringe ich ihm das so bei, dass er es versteht – und gerne macht?


Ehrgeiz darf bleiben – aber bitte bewusst

Ehrgeiz im Hundetraining ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil.

Er kann der Motor sein für Entwicklung, für gutes Training und für echte Zusammenarbeit.

Aber nur, wenn er in die richtige Richtung geht.

Weg vom reinen Ergebnis, hin zu Verständnis, Qualität und Fairness.

Denn am Ende entscheidet nicht die Punktzahl, sondern die Frage:

Wie fühlt sich das Training für meinen Hund an?

 
 
 

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