Was steht im Tierschutzgesetz über das Training von Tieren?

September 19, 2019

Nur mal so ...

Auszug aus dem Tierschutzgesetz zum Thema Tiertraining:

§3
Es ist verboten,

1. einem Tier außer in Notfällen Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen,

1b. an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Maßnahmen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind und die die Leistungsfähigkeit von Tieren beeinflussen können (...) anzuwenden,

5. ein Tier auszubilden oder zu trainieren, sofern damit erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind,

11. ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, (...)


*************

Das Wörtchen "erheblich" macht das Ganze leider recht schwammig. Was sind ERHEBLICHE Schmerzen, Leiden und Schäden? Was sind überhaupt "Schäden"?

Meine persönliche Ansicht (und das ist nicht nur meine Auslegung des Gesetzestextes, sondern meiner Meinung nach schlicht ein MINDESTMASS an Anstand, Respekt und Achtung vor dem Lebewesen Hund) ist folgende:

Erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden sind alle die, die vermeidbar sind. Einem Hund (im Training) Schmerzen, Leiden und Schäden zuzufügen, obwohl es andere, bessere, fairere, tiergerechtere Wege gibt, das ist schon erheblich! Erheblich dumm, ignorant und respektlos. Und wenn sowas noch von einer vermeintlichen Fachperson getan wird, ist es erheblich inkompetent.

SCHMERZEN sind IMMER vermeidbar. Weder aktiv noch passiv besteht jemals die Notwendigkeit, einem Hund im Training weh zu tun. Und, ja! Natürlich tut ein massiver Leinenruck weh oder Tritte in die Flanken, Stromstöße und ähnliche Absurditäten. Es gibt tausend bessere schmerzfreie Wege, einen Hund zu trainieren.

LEIDEN: Ein Hund kann körperlich leiden, aber v.a. auch psychisch. Ein Hund, der durch massive, wiederholte Strafen in dauerhaftes Meideverhalten getrieben wird, leidet. Was denn sonst … (Nur ein Beispiel, da ich leider öfter mal derart traktierte Hunde ins Training bekomme.)
Und hier gibt es große individuelle Unterschiede. Mein Coffee z.B. würde bereits massiv leiden, wenn ich Kommandos in barschem Tonfall geben würde. Er würde leiden, wenn ich wiederholt unzufrieden mit ihm wäre und dies durch genervten Tonfall deutlich machen würde. Ein Hund leidet also nicht unbedingt erst, wenn er körperlich misshandelt wird. Es gibt ganz viele Formen von psychischem, emotionalem Leid. Und ich finde, es ist unsere permanente Pflicht als Hundehalter, unseren Hund immer besser kennenzulernen, zu verstehen und unser Verhalten ihm gegenüber und unsere Trainingsmaßnahmen zu reflektieren, um ihm ein möglichst leidfreies Zusammenleben mit uns zu bieten.

SCHÄDEN: Training über Druck, Zwang und massive Strafen bringen im allerbesten Fall nichts - oder führen zu Schäden. Ich spreche hier nicht von angemessenen, fairen Grenzsetzungen zum Wohl und zur Sicherheit des Hundes, sondern von ganzen Hundetrainings“konzepten“, die ausschließlich auf Druck, Zwang und Strafen basieren. Und da ist es scheißegal, was für schöne, blumige Leitwolf-Theorien drumrum gesponnen werden. Es führt zu bleibenden Schäden. Lest hierzu auch gern nochmal den Gastblog-Beitrag zu diesem Thema: Risiken und Nebenwirkungen

 

Fazit: Einschüchtern, bedrohen, Schmerzen zufügen, psychisches und körperliches Leid zufügen, sollten NIEMALS die erste Trainingsstrategie sein. Und schonmal gar nicht die einzige. Es sollte überhaupt gar keine "Strategie" sein. Es gibt so eine große Bandbreite und so viel Wissen über tiergerechtes Tiertraining, dass solche Methoden weder zeitgemäß noch notwendig sind.

 

Zurück zu dem, was ich am Anfang geschrieben habe: Erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden sind alle die, die vermeidbar sind.

 

Wenn Du z.B. Deinem Hund das Gehen an lockerer Leine beibringen möchtest, könntest Du das theoretisch tun, indem Du so lange und so massiv an der Leine ruckst, Deinem Hund ohne Vorwarnung Wasser ins Gesicht spritzt und/oder scheppernde Gegenstände neben ihn wirfst, bis er völlig verschüchtert aus Angst und um Schmerzen zu vermeiden an lockerer Leine neben Dir geht.

 

Dass sowas überhaupt in Erwägung gezogen wird, ist mir völlig unverständlich, aber offenbar gibt es genug unsichere und überforderte Hundehalter, die vermeintlichen Fachpersonen Glauben schenken, wenn diese behaupten, dies sei der einzige Weg.

 

Ist es nicht. Das geht mit fairem TRAINING. Ohne Angst, ohne Scheppern, ohne Schmerzen zuzufügen, ohne den Hund zu brechen, ohne das Vertrauen des Hundes zu erschüttern. Ohne gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen.

 

 

 Foto © Susanne Klein

 

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