Einfach mal grundsätzlich JEDES Verhalten unterbinden!

September 30, 2019

Foto © Kerstin Fähnrich

 

Das ist meine wundervolle Jara. Vor ca. 6 Jahren habe ich mal ein Weiterbildungsseminar zum Thema Anti-Jagd-Training besucht. Nicht, weil ich es für Jara noch gebraucht hätte - ich ging mit ihr bereits damals dank intensivem Training in ihren jungen Jahren entspannt durch die Welt, konnte sie und ihre jagdlichen Ambitionen gut einschätzen und kontrollieren.

 

Ich bin aber immer bestrebt, noch mehr dazuzulernen, um vielfältige Trainingsansätze für die unterschiedlichen Hunde- und Haltertypen zu haben. Also habe ich dieses Seminar besucht. Es ging zweieinhalb Tage lang darum, dem Hund sein angeborenes Normalverhalten schlicht zu verbieten - durch massive körpersprachliche und körperliche Einschränkungen. Der Hund sollte nur dicht hinter dem Menschen laufen dürfen und jegliches Schnüffeln SOFORT unterbunden werden. Denn man weiß ja nie, ob der Hund wirklich nur am Pipi eines anderen Hundes schnüffelt und drüberpinkeln will, sich ein wenig die Welt mit seinem Hauptsinnesorgan an"schaut" - oder ob es eben schon Appetenzverhalten ist und der Hund dann gleich weg sein wird, auf einer Reh- oder Kaninchenfährte. Deshalb einfach mal grundsätzlich JEDES Verhalten unterbinden.

 

Nun ja, das Ganze wurde in der Theorie sehr überzeugend dargelegt, der Referent war durchaus sympathisch und konnte sehr gut reden und seine Ideen einleuchtend erklären.

 

Zwischendruch brüllte er immer wieder seinen Hund ins Platz, sodass ich jeweils vor Schreck fast vom Stuhl fiel, aber auch hierfür hatte er eine einleuchtende Erklärung. Das war eben SEINE Art, mit seinem Hund zu kommunizieren. Wir sind schließlich alle Individuen.

 

Sein zweiter Hund, den er auch mitgebracht hatte, schlich draußen bei den praktischen Übungen nur geduckt hinter ihm her. Ein trauriger Anblick. Der Trainer erklärte, der Hund würde nur schauspielern, normal sei der ganz anders.

 

Ich fuhr nach zweieinhalb Tagen mit einem mulmigen Gefühl nach Hause. Dennoch ... es hatte sich alles in der Theorie so verdammt sinnig angehört. Okay, ich wollte dem Ganzen eine Chance geben. Ein mulmiges Gefühl muss ja nicht unbedingt immer ein korrektes Bauchgefühl sein. Vielleicht sträubte sich in mir ja nur etwas dagegen anzuerkennen, dass dies wohl der bessere Weg ist als mein bisheriger. Schließlich war das ja auch ein berühmter, sehr erfolgreicher Hundetrainer.

 

Okay, ich versuchte es. Gleich auf meinem nächsten Spaziergang. Ich verbot Jara jegliches Schnüffeln und ließ sie nur noch hinter mir laufen. Das war keine Kunst, sie trottete brav hinter mir. Eine halbe Stunde lang.

 

Dann reichte es mir. Ich fühlte mich scheiße. Und Jara machte auch keinen glücklichen Eindruck. Welchen Wert hat es, spazieren zu gehen, wenn man nicht die gemeinsame Zeit auch GEMEINSAM genießt? Als Team, als Partner, als Freunde. Keiner von uns hatte was von diesem Spaziergang. Ich habe meinen Hund nicht mal gesehen (latschte ja hinter mir). Und Jara hat von ihrer Umgebung nichts wahrgenommen - durfte ja nicht schnüffeln, nicht laufen. Wir haben NICHTS zusammen gemacht.

 

Nach der halben Strecke habe ich ihr gesagt, dass sie wieder laufen darf. Sie hüpfte fröhlich rum, schnüffelte am Wegesrand, machte einen Mäuselsprung - aus dem ich sie problemlos abrufen konnte. Dem Training in jungen Jahren sei Dank.

 

Nein, das ist nicht mein Weg - Hunden komplett jeden Ausdruck, jedes Verhalten zu verbieten, es zu unterdrücken ... weil man einfach nicht weiß, wie man es trainieren kann. Es gibt so tolle, faire und höchst erfolgreiche Wege, einem Hund in Teamarbeit beizubringen, dass man die Rehfährten Fährten sein lässt und dass man das Kaninchen Kaninchen sein lässt.

 

Jara und ich genießen unsere gemeinsamen Spaziergänge - ein gutes Jahr lang vernünftiges Antijagdtraining, seit neun Jahren gehen wir entspannt durch die Welt. Jara bleibt auf dem Weg, da gehört sie hin, zügelloses Rumstreifen im Unterholz ist nicht, ganz klar. Und wenn da ein Tier des Weges hüpft, dann darf das hüpfen und wird nicht von Jara gehetzt. Innerhalb dieser Grenzen darf sie sich aber frei bewegen und Hund sein und mit mir zusammen Spaß haben.

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